Lesen!

Wer unter „studieren“ mehr versteht als Scheine zu sammeln und einen Abschluss zu machen, wird aus eigenem Interesse lesen. Es gibt, durch viele Studien belegt, keine bessere Methode, sich auf hohem wissenschaftlichen wie intellektuellen Niveau in Themen einzuarbeiten, als die Lektüre von Fachbüchern, Aufsätzen und Artikeln – und den Diskurs darüber. Wer denken lernen will, braucht beides: die konzentrierte Lektüre wie das Gespräch. Ohne ein Gegenüber, Fragen und Gegenrde bleiben Lektüre und Gedanken stumpf.

Buch und Papier

Lesen Sie längere Texte auf Papier. Konzentration und Gedächtnisleistung sind höher, der Lerneffekt größer, das Ablenkungspotential deutlich geringer als am Bildschirm, zuletzt belegt durch die Stavanger Erklärung. Das gilt für (Grund-)Schule wie Studium. Schreiben lernt man besser mit der Hand, einem Stift und Papier, wer „sinnentnehmend“ lesen und sich an Gelesenes erinnern möchte, ist mit den „alten“ Medien erfolgreicher (Studie der Univ. Ulm, s.u.; Pencil and paper versus tablet computer; Prof. Dr. Markus Kiefer et.al.; 1) In den USA wird immer öfter wieder mit Büchern statt Tablets gelernt.

Gaming statt Understanding

Auch wenn es populär ist, anderes zu behaupten: Videos zu schauen und Multiple Choice-Fragen zu beantworten, reicht nicht.Wer nur schaut, bleibt passiv und in der Konsumhaltung. Lernvideos mögen ergänzend hilfreich sein, aber nur, wenn man danach mit den geschauten Inhalten arbeitet, ene Zusammenfassung schreibt oder Fragen beantwortet. Das aktibe Tun nach dem Shauen entscheidet darüber, ob etwas nur erinnert oder verinnerlicht wird.

Auch „game based learning“ mag unterhaltsam sein, lernförderlich ist es nicht. Man bleibt im Spielmodus, der – anders als das freie, menschliche Spiel des Homo ludens – den Parametern der Computerspiels gehorcht.Der Kinderarzt Dr. Till Reckert hat es so formuliert: Ein gutes Spiel für Kinder besteht aus 10% Spiel und 90% Spiel und Phantasie des Kindes. Bei Computerspielen ist es genau umgekehrt. Man kann durchhspielen, was andere genau dafür programmiert haben. Alle möglichen Aktionen sind antizipiert, durchdekliniert und mit entsprechenden Ereignissen hinterlegt.

Beim Lesen hingegen sind sie frei im (Lese)Tempo, im Wiederholen poder berblättern und in all dem, was Sie an Vorstellungen und Phantasie entwickeln.

Lesen ist die Basis für Bildung

Studieren bedeutet in Anlehnung an seine ursprüngliche Bedeutung des lateinischen „studere“  nach etwas streben, sich selbst (!) um etwas bemühen“, sich eigenständig und intrinsisch (aus eigenem Antrieb) motiviert etwas zu erarbeiten. Neugier, Ausdauer und Konzentration sind dabei hilfreich. Es kann (muss) auch mal anstrengend sein (dürfen). Der „Lohn“ wird weder in Credit Points noch in Noten angegeben, sondern im Verständnis und einem erweiterten Blick auf das eigene Fach, die Nachbardisziplinen und den historischen, sozialen und kulturellen Kontext. Für die Studierenden der Fakultät M+I gilt: Nur wer „eingelesen“ ist kann sinnvoll mitdiskutieren.

Für alle gilt: Wer liest, hat und versteht mehr vom Leben.

Und: Bestellen und kaufen Sie Ihre Bücher in der Buchhandlung vor Ort. Dort ist es ist (dank Buchpreisbindung) genau so teuer wie beim Versandhändler. Die Bestellung geht genau so schnell, die Bücher werden oft sogar nach Hause ausgeliefert. Der ambitionierte Leser, die überzeugte Leserin nehmen aber auch gerne den Besuch in der bevorzugten Buchhandlung  zum Anlaß für ein Gespräch über Neuerscheinungen oder anderes Wissenswerte rund um die Kultur des Buchs. Leserinnen und Leser sind kommunikativ (wenn sie nicht gerade konzentrierte lesen).

1) Mayer, C., Waller, S., Budde-Sprengler, N., Braunert, S., Arndt, P. A., Kiefer, M. (2020). Literacy training of kindergarten children with pencil, keyboard or tablet stylus: The influence of the writing tool on reading and writing performance at the letter and word level. Frontiers in Psychology. 10:3054, doi: 10.3389/fpsyg.2019.03054